Tag 18

Kurz vor dem Ziel

Konnte nicht direkt einschlafen, k. A. warum, vielleicht weil es zu laut war hier auf dem Camping-Platz. Es war wirklich viel los und nicht gerade einladend.
Gegen 5 Uhr kam ein lautes Gewitter und Regen. Ich schlief insgesamt bis 7 Uhr.
Es nieselte noch ein wenig, dennoch fing ich an im Zelt alles langsam wasserdicht zu packen. Ich packte immer alles im Zelt zusammen, so dass ich nur die Taschen raus stellte.

Ich verabschiedete mich noch von Klaus, der jetzt nach Vilnius fahren würde, aber eine andere Route nehmen wollte. Zudem ist er eh schneller als ich.
Ich fuhr vom Camping-Platz runter, wieder diesen Waldweg, es ging bisschen bergab und dann in einer Haarnadelkurve rechts. Leider war dort wieder Sand und der Roller machte einen Salto. Ich flog diesmal nicht auf dem Boden. Da ich diesmal die Taschen „sehr professionell“ befestigt habe, musste ich nichts neu beladen, es war alles an seinem Platz!

Die Sonne schien inzwischen als ich auf die Schnellstraße A14 ankam. Dann sah ich dieses Schild

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„Oh man, warum nur.“

Es kam mir ein älterer Mann mit seinem Rad entgegen, ebenfalls bepackt. Er guckte mich nur an, grüßte mit einer Geste und fuhr weiter. Ein paar Sätze hätte ich gerne mit ihm geteilt.
Ein großer Einkaufs-Laden (Maxima) kam dann. Ich kaufte mir einige tolle Sachen ein, u. a. Salzstangen, 3 verschiedene Frikadellen, 1 Orange und Kefir. Kurzes Lächeln von einer jungen hübschen Frau noch mitgenommen und weiter ging die Fahrt.
Kurz darauf kam noch jemand mit seinem Rad mir entgegen. Der Typ schaute mich an und kam direkt zu mir. Ein Russe, der einen Ausflug über Russland und Baltikum-Länder machte. Er war begeistert vom Roller und machte Fotos, eine kurze Probefahrt und ich musste mir mein 2. Selfie in meinem Leben machen lassen (das 1. kurz vor Lettland).

„Mein Ende kam immer Näher und ich wollte einfach nicht. Wie schon erwähnt, ich war froh etwas geschafft zu haben, aber ich wollte nicht Heim!“

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„Leider standen immer wieder diese Warnschilder, sie brachten mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück“

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Unterwegs ging es noch zum geografischen Zentrum Europas.

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Dieser Punkt liegt mitten auf einem Golfplatz, oder anders ausgedrückt, der Golfplatz ist drum herum. Ich machte noch einige alberne Fotos und mein Intro-Video

Der Weg war so langweilig, jeder Kilometer zog sich wie Kaugummi.
Auf der Kreuzung zur 108 blieb ich stehen. Ich wollte noch nicht ans Ziel, also bog ich rechts ab und fuhr Richtung Maišiagala.
Unterwegs schaute ich mich nach guten Schlafmöglichkeiten um. Ok, schlafen kann man überall, bisschen versteckt oder sonst was. Wollte es aber ein bisschen besser haben. Ich fragte unterwegs. Die Leute sprachen polnisch, aber nicht das echte, sondern ein eigenes. Sie schickten mich zu einem Haus, wo ich fragen sollte.
Angekommen hieß es, es gäbe kein Platz, obwohl ein großer Garten da war. Ich glaube es war ausgebucht und ggf. hätte man die Gäste fragen müssen. Vielleicht redete ich mir das auch nur ein und die wollten mich halt nicht, damit verpassten die aber den Lukas.
Ich fuhr weiter, fragte rum, aber ich wurde nur von A nach B weiter geschickt. Manchmal war auch keiner da. Egal wo man hinschaute, dort standen überall diese Sommerhäuschen bzw. Ferienhäuser rum, überall.

Wer kommt freiwillig hier hin, da war doch kaum was?
Aber es ist mein Urlaub, warum soll ich die Leute hier anbetteln bei denen zu schlafen. Wenn ich will, fahre ich in ein Hotel oder schlafe sogar im Wald, falls hier eins da ist.“

Ich fuhr immer weiter, ich wusste, dass weiter ein Camping-Platz sein sollte.
Unterwegs ging ich noch einkaufen und durfte 2 Jugendlichen bei einer kurzen Probefahrt mit meinem Roller zuschauen. Sie machten sich noch Videos.

Wenige Kilometer weiter kam aus einer Feldstraße heraus ein Auto rausgefahren und ich fragte direkt nach dem Camping-Platz. Die Frau sagte, sie fahre jetzt dahin und sie würde auf mich hinten warten. Es waren ca. 2 – 3 Kilometer weiter. Ich gab Gas und sie führte mich dahin. Es waren fast überall nur landwirtschaftliche Felder drum herum. Angekommen fragte ich nach dem Preis für eine Übernachtung. Sie sagte, dass das 35 EUR kosten würde. Ich dachte, ich habe sie falsch verstanden. Sie wiederholte sich auf englisch, 35 EUR. Ich sagte, ich schlafe dort nur einmal im Zelt. Achso, im Zelt, antwortete sie. Dann 20 EUR. Ich verabschiedete mich und fuhr.
Später sah ich über dem Zaun, das war so eine Art Villa oder so was. Also vermutlich für die Schönen und Reichen. Nicht meine Welt also. Den Namen „Lavender Village Lithuania“ werde ich hier jetzt nicht erwähnen, da ich keine Werbung für eine 20 EUR-Übernachtung machen möchte. Dennoch haben die Top Bewertungen, jeden das Seine.
Die Leute sollten mal mit mir Urlaub machen, dann sparen sie viel Geld und können erzählen wie schön das Land ist und nicht wie toll diese Village sei.“

Mir wurde von einem Herren aus dem Dorf ein Kilometer links von dem Village eine tolle Stelle empfohlen. Ein vermutlich ehem. Golfplatz oder was auch immer. Es war wie ein zum Teil offener Wald. Tja, die Village-Menschen können da nicht mithalten! Dort angekommen, wurde ich herzlich von sehr vielen Bremsen und Mücken begrüßt. Sogar ins Ohr wollten die. Die waren überall. Der Schweiß lief wie Regen von mir runter. Ich baute nahezu in Rekordgeschwindkeit mein Zelt auf und sprang rein. Ruhte mich aus einfach nur aus und wartete, bis ich nicht mehr so schwitze. Tja, so was haben die anderen Urlauber halt nicht.
Im Zelt versuchte ich erstmal runter zu kommen. Ich darf mich über so viele Ablehnungen nicht ärgern, auch solche Erfahrungen macht man halt und ich muss akzeptieren, dass nicht jeder einen Lukas im Garten haben möchte.

Dieses komische Baguette am Schinken war mal ein quadratisch geformter Käse.

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Auf dem Platz stehen noch Plumsklos, auch ein Tisch ist zu sehen, der allerdings recht bewachsen ist. Kann sein, dass das auch mal ein Parkplatz war oder ist. Die Wiese wird hin und wieder aber gemäht, da die nicht gerade sehr hoch ist. Guter Platz zum zelten!

Ich trank noch ein Bier, man schmeckte das gut.

Bei der Auswertung der Route zu Hause ist mir aufgefallen, dass ich tatsächlich 88 km an diesem Tag zurück gelegt habe. Es ist mein persönlicher Rekord! Aber die 100 km-Marke hätte ich an dem Tag nur mit Mühe und Not geschafft, die Strecke hat wegen der Einseitigkeit sehr viel Kraft gekostet.
Außerdem ist meine kurze billige Decathlon-Hose kaputt gegangen, sie hat im Schritt ein Loch, jetzt muss ich also Unterwäsche tragen, sonst, naja, egal…

Pers. Gedanken:
Die Kuh auf dem Kefir sieht glücklich aus. Genau das war natürlich der Kaufgrund für mich. Denn dieser Kefir stammt ja von glücklichen Kühen, wie auf dem Bild halt.

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„Eiweiß soll ja gut für den Muskelaufbau sein, vielleicht kriege ich ja auch mal endlich welche. Mal schauen wie ich am nächsten Tag aussehen werde.“

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