Tag 9 – Hortobágy -> Tiszaújváros

Der Weg führte an recht leere Landstraßen und auf einem einsamen Fahrradweg an der Tisza entlang. Die Landstraßen waren bisschen löchrig, aber nicht schlimm. Die Bundesstraße vor Tiszaújváros ist allerdings stark befahren und für Fahrräder verboten. Trotzdem muss man dort entlang fahren. Es gibt aber dort einen Seitenstreifen.

Morgens gut gelaunt aufgewacht, geduscht, Toilette auf ihre Funktionalität getestet (ja, sie funktionierte), kurz mit den Familien unterhalten, Probefahrten machen lassen und den MP3-Player an das Solarladegerät angeschlossen. Ich ging zum Frühstück, aß ordentlich, trank meinen Tee mit Zucker (zu Hause habe ich nicht mal Zucker, dort trank ich fast alles mit Zucker). Packte dann in Ruhe, bezahlte und machte mich auf den Weg.
Tokaj liegt ca. 2 Tage von hier entfernt. In Hortobágy machte ich noch halt an einen kleinen ABC-Geschäft. Dort musste ich mich von einem angetrunkenen aber sehr netten Herren fotografieren lassen. Wir sprachen englisch mit einander. Er nannte mich andauernd Hero oder so ähnlich 😀 Kaufte dort Wasser und fuhr weiter. Ich war richtig traurig, ich fühlte mich an diesen Ort richtig wohl. Ich hoffe dass ich die Möglichkeit kriege in Zukunft dort wieder zurück zu kehren. Ich würde gerne dort mehr sehen und erleben. Vor allem in der Steppe oder was mit Pferden zu machen, irgendwas.
Wie dem auch sei, ich machte noch in der Stadt einen kleinen Umweg, da ich dem Herren von Vorabend versprochen habe mir was anzuschauen. Hier ist das Beweisfoto dass ich da war:
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Ich hoffe ich habe das richtige Haus erwischt 😀 Dann schaute ich mir noch die Gegend dort an. Da waren sehr viele Ställe, Pferde und dann wieder die Puszta. Ich winkte noch ein paar Leuten zu (die schauten was das für ein komisches Fahrrad war) und verließ traurig endgültig Hortobágy. Den Ort habe ich irgendwie in mein Herz geschlossen.

Bei sehr gutem Wetter, also Lukas-Wetter, ging es dann weiter Richtung Egyek, allerdings nicht in die Stadt rein, sondern dann Richtung Tiszacsege.

Ich habe Ungarn bisher sehr positiv dargestellt. Aber ich sah auch immer wieder verlassene Häuser wie diese hier:
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Das Land ist vielleicht nicht das reichste und ist vermutlich vergleichbar mit Polen, aber Geld ist ja nicht alles. Die Mentalität ist unglaublich toll dort.

Es gab viele Störche und überraschende Weise auch wieder Sonnenblumenfelder 😀
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Die kleinen Dörfer sind manchmal wirklich sehr schön
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Bisschen winken, nach Ort fragen und weiter ging es. Ich bekam Hunger und mein Wasser ging auch recht schnell zu Ende. Ich trank viel, da ich dachte, an der Tisza wird es auf jeden Fall Camping-Plätze geben. Kurz vor Tisza fuhr ich über eine Brücke wo ein Restaurant ist. Ich hatte mein unterhemdartiges Sportshirt an. Ich war vom Schweiß total durchnässt. Wie auf der gesamten Fahrt hatte ich sehr viele kleine Fliegen an den Armen kleben. Sie ertranken regelgerecht in meinem Schweiß, was für ein Tod!
Ich kam also zu dem Lokal wo ich dann viele Menschen draußen sah, sie aßen was. Alle waren so schick angezogen, frisch gekämmt, mit Hemd etc. Ich kam dann mit dem Roller, total verdreckt, nass und mit Fliegen an. Es war wie im Westernfilmen, wo ein Fremder in eine Bar kommt. Es schauten mich alle draußen an. Sogar die Leute auf der anderen Straßenseite. Normalerweise winke ich denen sogar zu und spreche die sogar an. Aber in diesem Moment fühlte ich mich dabei einfach nicht wohl, was ungewöhnlich bei mir ist. Wie dem auch sei, auf dem Weg findet sich sicherlich noch was, also drehte ich um und fuhr weiter. Das war ein Fehler, wie es sich raus stellen sollte!

Als ich auf dem Radweg drauf war, wusste ich nicht genau welche Richtung ich fahren soll, links oder rechts. Wollte Richtung Norden. Die Sonne schien zur rechten (Süden), also musste ich links (Norden).
Der Weg war sehr einsam, der zoooog sich unheimlich. Mein Wasser ging auch langsam zu Ende und ich hatte Hunger. Es war zu dem sehr heiß, was schlecht ist wenn man wenig Wasser hat. Eine Pause konnte ich nicht machen, da es keinen Schatten gab. Mein MP3-Player gab den Geist auch noch auf, das Solargerät wollte es nicht laden, genau wie heute morgen. Hin und wieder sprang ein Reh hervor, ich versuchte mich dadurch immer wieder motivieren, ich redete ein wenig um mich abzulenken. Hatte dann viel Wut im Bauch, denn die Situation dass keiner mit wollte nervte mich im Moment total. Auf der linken Seite sah ich nur Bäume, zur rechten Felder. Ich fuhr und fuhr und der Weg wollte nicht zu Ende gehen. Ich kämpfte gegen die Einsamkeit. Dann kam wieder ein Reh zum Vorschein, dabei sagte ich mir so was wie: „Oh ein Reh, wie schön, so was wollte ich sehen, viel Natur, die ganzen Pflanzen hier, wie schön die doch sind.
Nach fühlbaren 100 km :D, also ca. 10 km vor der Bundesstraße, sah ich hinter den Gebüschen was von der Sonne leuchten. Es war Glas, kann also nur ein Auto sein. Jetzt fehlte mir wieder jemand der mal eben den Roller oben halten kann und ich alleine runter zur Erkundung gehen könnte. Der Weg runter vom Radweg war nämlich sehr steil. Ich ging langsam mit rutschenden Reifen runter und fand einen Camping wo auf Holzpfählern hoch gestellte Holzhäuschen und sogar ein hochgesteller Campingwagen zu sehen waren. Alles lag direkt an der Tisza. Dieser Ort ist ein recht verlassener Ort, aber in dem Sinne dass dort in der Umgebung nichts ist. Die Leute vor Ort haben dort kein Strom.
Es waren einige Leute hier, ich ging zu den erst besten. Eine größere Familie saß unter dem Haus und unterhielten sich. Ein Feuerchen brannte und in einem Kessel war Gulasch, ein toller Anblick, vor allem wenn man Hunger hat. Auf dem Tisch lag Kuchen. Sie tranken vermutlich Kaffee. Ich fragte nach dem Weg ob ich überhaupt richtig sei. Ein Mann sprach deutsch, da er in Österreich lebt. Er sagte mir, dass es noch ca. 10 km seien, an der Bundesstraße muss ich dann links. Wenige Kilometer weiter kommt dann ein Radweg und dann sei ich auch schon in der Stadt.
Wir unterhielten uns dann ca. 30 Minuten. Ich kriegte Wasser und Kuchen, das mir wieder einen unglaublichen Energie- und Motivationsschub gab. Die waren alles soooo nett. Ich bedankte mich und fuhr dann wieder zum Radweg. Den steilen kleinen Weg zum Radweg kam ich nur hoch in dem ich nicht direkt gerade hoch lief, sondern im Zick-Zack.
Dann ging es weiter, auf die Bundesstraße 35 drauf und durch die Stadt nach einem Camping-Platz durchgefragt. Dort angekommen wunderte sich die junge Dame, dass ich nur eine Nacht zelten wollte und nicht vom kostenlosen Thermalbad nutzen möchte 😀 Zudem gab sie mir eine Karte und markierte mir dort ein Restaurant.
Auf dem Campingplatz waren sehr viele Polen. Es gefiel mir dort aber nicht, zu viel los. Ich baute bei 31 Grad mein Zelt auf und war erstmal glücklich 🙂
Ich ging duschen, zog meine „sauberen“ Klamotten an und ging zum Restaurant. Dort bestellte ich mir ein Schnitzel und einen Salat, trank 2 Eistees und schrieb wieder in mein Heft was ich alles erlebt habe.

Ich unterhielt mich noch mit dem Kellner und ging zu einem Mini-Geschäft wo ich dort 2 Flaschen Wasser kaufte.
Ging dann in mein Zelt dachte noch ein wenig nach und schlief gegen 21 Uhr ein.

Bis Tokaj sind es hoffentlich ca. 40 km. Heute habe ich knapp über 70 km gemacht, man bin ich fit, dass ich das geschafft habe. Da kann ich mich echt selber dafür loben. Dazu noch, man bin ich braun 😀
Für das Camping bezahlte ich 4000 Forint (ca. 13 EUR) und das für eine Nacht! Scheiß Touristen-Orte, alles direkt teuer. Viele Polen hier, aber keine Lust mit denen zu reden. Will doch nur schlafen, duschen und was essen, mehr nicht. Die sind alle mit ihren ganzen Familien hier, Kindern etc. Fühle mich hier bisschen fehl am Platz.
Ach Hortobágy, die Hitze, die Leute, die Landschaft, die Tiere, das war so schön. Irgendwie vermisse ich den Ort.