Tag 2 – Ópusztaszer

Die heutige Fahrt soll von Pusztaszer zurück nach Ópusztaszer führen, wo ich den Nomadenpark besichtigen möchte. Anschließend war geplant, dass ich am selben Tag dann weiter fahren werde. Die Straße bis dahin ist eine Landstraße und an dem Sonntag fast ohne Verkehr. Fahrradwege gibt es nur wenige Kilometer vor dem Nomandenpark.
Eine Route lege ich nicht mit dabei, da ich hier bei die selbe Landstraße wie am Tag zuvor fahren werden. Die Entfernung liegt bei etwa 10 km. Man fährt nur gerade aus.

Ich habe mich morgens sehr gut gefühlt, obwohl ich in der Nacht immer wieder wach geworden bin. Es war zu eng im Zelt. Ich müsste am nächsten Abend platzsparender die Sachen verteilen. Zudem müsste ich die Taschen besser umräumen.

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Es ist recht bewölkt am Morgen. Ich reparierte morgens direkt die Bremse in aller Ruhe und befestigte das Schutzblech hinten mit Klebeband. Mein Tacho hat am Vortag nicht funktioniert, jetzt habe ich es neu eingerichtet und es läuft auch endlich. Gleich schaue ich noch ob meine Käsescheiben (oder eher Käsestück) und die Brötchen von Freitag noch essbar sind. Diese Stille ist unglaublich toll. Man hört hier fast alles, nur keine von Menschen gemachten Geräusche.
Allmählich verdrängt die Sonne die Wolken und es wird langsam schwül warm. Es sind jetzt schon ca. 22 Grad im Schatten.
Ich wusch mich und machte ein paar Sachen sauber und hing sie dann erst auf den Roller auf, dann später lieber auf den Brunnen in die Sonne zum Trocknen.

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Mein Handtuch war leider seit gestern Abend immer noch nass. Es wurde durch die feuchten Temperaturen nicht wirklich trocken.

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Diese Stille ist einfach toll, Insekten und Vögel. Ok, auch ein Flugzeug in weiter Höhe ist leicht zu hören.

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Ich schoss noch ein paar Fotos und schrieb mir noch ein paar Wörter auf auf ungarisch aus meinem Wörterbuch auf. Ich wollte nämlich Wasser kaufen, das ist langsam fast alle.

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Leider hörte ich auch weiter Entfernung ein Gewitter und man sah am Horizont dunkle Wolken kommen. Nach kurzem überlegen dachte ich mir, warum bleibe ich nicht noch eine Nacht hier, kann in Ruhe mir den Nomadenpark anschauen und morgen weiter reisen. Also schrieb ich mir noch zusätzlich „dürfen noch eine Nacht schlafen“ auf ungarisch auf. Mit kleinem Gepäck fuhr ich zu dem Bauern und versuchte ihm das vorzulesen. Er verstand mich leider nicht. Die ungarische Sprache ist nämlich unheimlich schwierig. Man muss viele Wörter richtig aussprechen damit sie ihre Bedeutung haben. Ich zeigte ihm den Zettel mit dem Wort für Einkaufen und er verstand. Er schüttelte den Kopf und zeigte mir auf eine kleine Stadt ca. 10 – 15 km entfernt wo ich noch einkaufen könnte. Sonntags hat hier fast alles zu.

Ich saß noch mit ihm bisschen am Haus und wir unterhielten uns irgendwie. Ich zeigte meine Karte und mein Ziel, erzählte wo ich her komme. Er füllte noch meine Flasche mit Wasser auf und wollte mir noch Brot geben. Das lehnte ich aber ab, da ich noch Brötchen und Käse hatte.
Dann kam das Gewitter. Auf die Frage, ob ich noch eine Nacht bleiben durfte,  bejahte er. Kurz vor dem Regen fuhr ich die ca. 80 Meter zurück. Er gab mir wieder den Schlüssel für die Gebäude, falls es schlimmer regnen sollte. Ich nahm den an. Leider klemmten die Schlösser. Ich wollte sie nicht kaputt machen. Es regnete inzwischen. Ich lief also schnell in mein Zelt und hörte das Plätschern des Regens zu. Es war eigentlich kein starker sondern ein schöner langsamer angenehmer Regen. Im Zelt hört sich das richtig schön an. Ich schlief auch dabei für ca. 1 Std. ein.

Als ich aufwachte war der Regen schon weg. Es war aber noch bewölt, man merkte aber dass es wärmer wurde. Die Wolken waren dünner und heller.
Ich packte wieder ein paar Sachen ein und fuhr wieder los. Dem Bauern gab ich den Schlüssel ab, da rief er mich in sein Haus hinein.

An den Wänden hingen 2 Wandteppiche, eines mit Pferden.  Ein Bild mit einer Frau die ein altes Saiteninstrument spielt. Essen stand auf dem Tisch! Es wäre unhöflich abzulehnen. Ich saß da mit der ganzen Familie (der Mann, seine Frau, seine 4 Töchter, die älteste müsste ca. 20 – 25 Jahre jung sein, die anderen alle unter 18 und ein Freund der ältesten Tochter). Ich hatte so einen Hunger. Die Familie hat schon gegessen und aß gerade Kuchen. Dann fing ich an die Suppe (Erbsen, Bohnen, etc.) zu essen, dazu gab es Weißbrot. Ich sagte anhand einer Gestik, dass mir die Suppe sehr gut schmeckte und aß noch einen Teller. Dann war ich satt. Dann kam aber die 2. Mahlzeit, Kartoffeln und Kaninchen. Dazu ungarische Salzgurke (schmeckte wie eine Mischung aus Essig- und Salzgurken, die polnischen oder russischen Gurken schmecken mir aber viel besser). Meine Mentalität niemanden zur Last fallen zu wollen schob ich bei Seite und aß. Schmeckte einfach nur gut, mehr kann ich auch nicht sagen. Anschließend gab es Kuchen und Wassermelone. Ich saß noch ca. 30 Min. mit ihnen und fuhr dann gesättigt und glücklich Richtung Ópusztaszer los.

Auf dem Weg kam ich an eine Bar vorbei. Ich wollte noch eine Flasche Wasser voll haben. Ich stieg vom Roller und ein Auto hielt an der Bar wo ein Mann aus dem Auto stieg und in die Bar ging. Ein anderer Mann aus dem Auto sagte was zu mir auf ungarisch und bezog sich auf den Roller. Ich verstand ihn nicht, aber ich glaube er machte ein paar Scherze. Dann kam der Mann aus der Bar mit einer Flasche Wasser raus und sie fuhren weiter.
Ich ging in die Bar sagte Hallo. Dann hob ich die Flasche hoch und sagte Viz (dt. Wasser). Ich glaube auch das habe ich falsch ausgesprochen. Die junge hübsche Frau sah die Flasche, sie verstand wohl was ich wollte. Ich gab ihr die, sie füllte sie mit Wasser auf. Ein Mann sah mich und wollte dass ich auf ein Bier bleibe, fragte auch woher ich komme. Ich lehnte aber ab zu bleiben. Wollte kein Alkohol anfangs trinken und auch noch in den Nomadenpark. Ich bedankte mich mit einem falschen Wort (habe mir ein einfaches, aber leider nicht bekanntes Wort für Danke rausgesucht, weil das andere zu kompliziert ist –köszönöm– Inzwischen kann ich das aber)

Unterwegs schoss ich noch einige Fotos:

Dieses Rind schaute mich cool an und kaute dabei
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die Puszta
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Marihuana wächst auch in Ungarn, genau wie in Polen. Ich glaube aber den kann man nicht rauchen 😀 Einige Pflanzen waren sogar ca. 2 Meter groß
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Immer wieder in Ungarn anzutreffen sind Kreuze am Straßenrand
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Die laaaangen Landstraßen:
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Irgendwelche Vögel, wahrscheinlich Truthähne:
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In ganz Ungarn habe ich sehr viele Störche gesehen, sehr schöne Tiere. Das Klappern der Schnäbeln weckte bei mir Kindheitserinnerung:
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Die vordere Sau schaute mich an und machte komische Geräusche, ich bekam sogar Angst 😀 Die sind so riesig:
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Nomadenpark:
Der Nomadenpark beihaltet auch viele Dörfer und Museen aus dem 18. Jahrhundert. Es bezieht sich nicht alles auf die Nomaden aus den ersten Jahrhunderten.
Trotzdem ist dieser Ort ein sehr wichtiger Ort: Im Jahre 886 hatte dort der Großfürst der vereinten Magyarenstämme Árpád die Nation der nomadischen Magyaren gegründet.

Ich ging also als Tourist mit einer Kamera versehen für 2400 Forint (ca. 8 EUR!!! sehr teuer für ungarische Verhältnisse) in den historischen Park. Normalerweise darf man keine Fahrräder mitnehmen, ich durfte aber wenn ich damit nicht fahren würde. Ich war einverstanden (gefahren bin ich trotzdem damit 😛 ).
Hier einige Fotos:

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Fischerhütte, fand ich irgendwie ganz toll:

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ein altes Schiff:

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Hier wurde im Sommer 2007 Tim Cope nach seiner 3 1/2 jährigen Reise auf Pferden von der Mongolei bis nach Ungarn empfangen. Leider wurde ich von niemanden empfangen 🙁

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Ein Boot:

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Niederlande???
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Eine Maschine aus dem Jahr 1895:

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Jurte:

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Auf dem Weg aus dem Park fuhr ich nicht Richtung Landstraße sondern in die andere auf einen Feldweg. Hier kam mir ein Esel mit einem Wagen und 3 Leuten entgegen. Um Platz zu machen fuhr ich nach links, da der Esel mehr rechts lief. Er lief dann auch nach links. Dann fuhr ich nach rechts und der Esel erschrak und lief mit dem Wagen und den Leuten vom Weg runter. Die Frau vom Wagen musste den erst beruhigen 😀 Ich fand das lustig.
Danach fuhr ich Richtung Zelt. Ich wusch mich und genoss die Ruhe. In ca. 1 1/2 Std (also 6 Finger) würde die Sonne untergehen. In Ungarn geht sie schneller als bei uns unter. Gegen 19 Uhr hatte ich immer noch ca. 30 Grad im Zelt.

Ein ganz komisches Gefühl ist das so weit weg von seinen Leuten und dem Heim zu sein. Jetzt liege ich alleine in einem Zelt irgendwo im Süden Ungarns. Muss bei dem Gedanken lächeln, ich weiß nicht ob das Freude oder Galgenhumor ist. Ich vermute eher Freude. Ich habe es wirklich durchgezogen. Gleich werde ich einschlafen, morgen geht es dann weiter…