Tag 4 – Cserkeszőlő -> Mezőtúr

Der Weg führte über einsame Landstraßen mit wenigen Dörfern, war recht angenehm. Von Kunszentmárton Richtung Tiszaföldvár war es aber nicht mehr so toll. Viele LKWs und sonst viel Verkehr. Wenn ich sah, dass 2 LKWs aus beiden Richtungen kamen, fuhr ich an den Straßenrand. Der Weg über Öcsöd (also nicht Richtung Tiszaföldvár) wäre sicherlich angenehmer gewesen. Die Straße von Tiszaföldvár Richtung Mezőtúr war wenig befahren, hatte aber einige Schlaglöcher. Sie zog sich unheimlich.

In der Nacht kam ein Gewitter, am Morgen kam dann nur noch der Regen. Mein Handtuch ist immer noch feucht, genau wie fast all meine anderen Sachen.

Jetzt ist es 07:40, habe lange geschlafen, 2 – 3 x kurz wach geworden, ist zu eng hier. Ich gehe gleich mal kurz einkaufen, brauche trockene Socken, ein trockenes Handtuch und irgendwelche Sandalen. Ich weiß nur nicht, ob ich damit fahren kann. Ich habe richtig dicke Augenränder, als hätte ich mich gestern geprügelt. Aber ich glaube das habe ich nicht, falls doch, ob ich gewonnen habe?

Kurz in der Einkaufsstraße gewesen, ich habe ein trockenes Handtuch!!!!! Im Restaurant gefrühstückt (Rühreier!!!). Mit ein paar deutschen legte ich meine weitere Route fest. Mir wurde Hortobágy als Ziel vorgeschlagen, soll eine schöne Wüste sein. Ich markierte mir das Ziel. Unterhielt mich noch mit den Leuten und packte, bis auf das Zelt, alles nasse zusammen. Dann kam der Regen wieder und ich schmiss alles in das Zelt und saß auf meinem Schlafsack und wartete.

Meine gepackten Sachen:
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Meine nasse Wäsche von gestern:
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Die Toten Hosen liefen gerade, wenigstens meine Musik verließ mich nicht:
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Das komische blaue, ist das der Himmel oder eine weitere Wolke?
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Hörte einfach nicht auf!!!
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Mein GPS und Gummi-Bänder:
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Meine seit 3 Tagen nassen Schuhe:
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Wozu wasche ich mich täglich, bin doch eh wieder voller Schlamm. Meine Kleidung ist total verschlammt. Es ist einfach zum Kotzen.

Ich entdeckte was blaues am Himmel, nach 1 Std. nieselte es nur noch. Glück gehabt. Ich ging raus um mir die Wolken genauer anzuschauen. Leider entdeckte ich weiter am Himmel wieder was graues.

So, nach einigen Minuten sitze ich wieder im Zelt, es regnet wieder. Ich komme hier einfach nicht weg. Ich weiß echt nicht was ich jetzt machen soll, der ganze Himmel ist wieder grau. Auf so einer Fahrt muss ich aber ganz genau wissen was zu tun ist. Im schlimmsten Fall lasse ich den Roller da und fahre mit dem Zug nach Hause, ich habe kein Bock mehr, alles nass und dreckig.
Blöderweise könnte ich nicht alles als Gepäck mitnehmen, 2 Fahrradtaschen, ein Zelt und ein Schlafsack. Wie soll ich das schleppen? Ob ich noch erleben werde im trockenen zu schlafen oder was trockenes anzuziehen?

Der Regen wurde wieder weniger, dann fing es wieder an.

Wäre ich in Deutschland geblieben, wäre es billiger und genau so nass. Es ist ein richtig scheiß Sommer bisher.

Unglaublicherweise hörte der Regen auch mal auf. Ich packte das durchnässte Zelt ein, verabschiedete mich kurz und fuhr schnell weiter.
Auf dem Radweg ging es Richtung Kunszentmárton, dann bog ich links Richtung Tiszaföldvár ab. Diese Straße war m. M. nach scheiße, es gab viele LKWs. Kamen 2 LKWs sich entgegen wartete ich am Straßenrand, manchmal bedankten die sich sogar. Ich fuhr und achtete immer wieder, ob Autos auch Abstand von mir halten. Dann kam ein Lied Namens „Gimme Danger“, ich fand das nicht gerade passend 😀 Aber ich muss sagen, die Autofahrer sind echt toll in Ungarn, sie fahren wirklich vorsichtig an einem vorbei.

Nach wenigen Kilometer auf dieser stark befahrenen Landstraße kam eine dicke Regenwolke hinter mir her. Ich war sauer.
Bei Kungyalu 1 fragte ich bei reicheren Bauern, ob ich mich für 1 – 2 Std. unter das Dach am Haus stellen könnte, denn eine dicke Regenwolke kam an. Der junge Herr der englisch konnte fragte die älteren die am Haus saßen und sie sagten nein. Er meinte, ich solle weiter fahren, in den nächsten 30 – 40 Min. soll es nicht regnen und im nächsten Dorf kann ich mich irgendwo drunter stellen. Das war die einzige negative Begegnung dich ich während der gesamten Fahrt mit Magyaren hatte.
Ich wollte es versuchen und fuhr dann weiter nach Tiszaföldvár. Hier fragte ich mich durch die Leute nach einem Restaurant, ich hatte Hunger!
Zum Glück sind die Wolken an mir vorbei gezogen. Die Sonne schien sogar. Meine Stimmung war super. Die Stadt Tiszaföldvár gefiel mir irgendwie. Es scheint eine eher moderne Stadt zu sein, mit vielen kleinen Einfamilienhäuschen und deren Vorgärten.

Typisch in Ungarn ist der Kanal für Regenwasser zwischen den Häusern und der Straße. Manchmal führten die Dachrinnen über den Bürgersteig in den Kanal rein. Manchmal auch unterirdisch.
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Dann fand ich ein Restaurant, verdreckt, verschwitzt, durstig und hungrig bestellte ich mir einen Salat und einen Hamburger, dazu eine Cola (viel Zucker und fettiges Essen musste ich zu mir nehmen, habe aber trotzdem mehr Energie verbraucht als eingenommen). Leider war der Salat und der Hamburger größer als erwartet. Trotzdem konnte ich gerade eben noch alles aufessen. Früher hätte ich keine Probleme damit gehabt.

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Mein eigentliches Ziel war Túrkeve. Ich fuhr mit vollem Magen weiter, hatte genug Wasser, Musik lief, Sonne schien, Reifen waren aufgepumpt, winkte immer wieder den Leuten zu, die mich angeschaut haben und ich hatte ein erreichbares Ziel, ich war also glücklich!
Die Straße Richtung Mezőtúr zog sich unheimlich. Sie war richtig gerade. Zudem sind hier doch einige Schlaglöcher. Der Verkehr ist nicht so groß.
Mein Magen war so voll, mir ging es gar nicht gut. Ich dachte es läge am Wassermangel, aber die Anzeichen bei so was sind andere. Trotzdem trank und trank ich recht viel. Setzte sogar meinen Hut auf. Aber es waren keine Anzeichen für Wassermangel. Ich war halt überfressen und machte Sport. Hatte sogar Brechreiz. Schwindelanfälle hatte ich nicht, Kalt war mir auch nicht. Lag wirklich nur am Magen. Später ging es wieder, zum Glück.

Hier der Beweis, Erbsen wachsen auf Bäumen!
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Ich wollte über Feldwege nach Túrkeve fahren und fragte in dem Dorf Mezőhék noch mal nach, ob ich überhaupt Richtung Kétpó fahren kann bzw. der Weg richtig ist. Zum Glück fragte ich bei jeder Gelegenheit, der Herr sagte mir, dass der Weg nicht befahrbei sei, es sei zu matschig und nass. Also musste ich über Mezőtúr fahren. Ich wollte aber größere Städte vermeiden, ging aber nicht.
Die Straße zog sich unglaublich, es gab keine Kurve, dafür viele Feldmäuse, Vögel und Raupen.
In Mezőtúr merkte ich aber schon, dass ich erschöpft war. Diese langen Straßen machen mir mehr zu schaffen als kurvenreiche. Man fährt und das Ziel kommt einfach nicht näher. Zudem wurde es auch allmählich später. Also fragte ich jemanden, ob es vielleicht hier einen Camping-Platz gibt. Er sagte nein, ich müsste ins Hotel. Das wollte ich aber nicht, dann sagte er mir, ich solle ihm folgen, vielleicht kann ich im Schwimmbad oder ggf. zeigt er mir eine Stelle wo man wild Zelten könnte. Problem ist nur, dass am nächsten Tag im Schwimmbad ein Festival statt finden sollte, sähe also schlecht aus.

Wir unterhielten uns und fuhren zum Schwimmbad. Er redete dort auf ungarisch mit einer Frau an der Rezeption. Sie telefonierte mit ihrem Chef, der ein wenig strenger sein soll. Nach einigen Minuten durfte ich an der Rezeption mein Zelt aufschlagen. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Alle Mitarbeiter wurden informiert, ich konnte sogar kostenlos duschen. Abends winkten mir sogar die Security-Leute zu. Selbes Spiel am nächsten Tag, ich könnte sogar noch eine Nacht hier bleiben, was für eine nette Geste!!! Die Stadt schien mir im ersten Moment recht familiär, obwohl die nicht sooo klein zu sein mag. Die Leute kannten sich.
Kinder wollten noch Fotos auf dem Roller machen und ein paar kleine Runden musste ich auch mit denen drehen. Spaß haben sie sicherlich gehabt 🙂

Ich weiß nicht wie oft ich mich bei den beiden bedankt habe:
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Ich holte mir am Automaten Snickers, Crackers, Pepsi und Kakao. Tolles Abendessen 😀 Großen Hunger habe ich aber nicht gehabt.

Mir wurde noch gesagt, dass ich die Stadt Túrkeve vermeiden sollte, die Kriminalität sei zu hoch. Aber da ich hier schon war, würde ich nur durch die Stadt durchfahren.

Abends beobachtete ich den Sonnenuntergang. Die Mücken haben, wie jeden Tag, den Abend für sich gehabt.
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Wenn ich jetzt so im Zelt liege, denke ich darüber nach, wie schade es sei, dass ich mich mit einigen Menschen hier nicht unterhalten kann. Meine Leute fehlen mir aber trotzdem. Das Wetter war bis auf den Morgen super. Es hat vorhin nur ca. 5 Min. ein wenig geregnet. Vielleicht ist jetzt endlich das schlechte Wetter endgültig weg und es kommt mein Wetter. Ich vermute, dass ich in 2 Tagen in Hortobágy sein werde. Ich freue mich schon, Wüste/Steppe bei gutem Wetter. Danach geht es Richtung Tokaj.

Inzwischen habe ich erfahren, dass ich in Mezőtúr ein kleiner Star bin. Die Fotos und meine Reise sind dort einiger Maßen bekannt. 😀